Die Geschichte des Type XX : Entstehung und erste Generation
by Emmanuel Breguet
Es ergab sich ganz von selbst, dass die Uhrenmarke Breguet Anfang der 1950er Jahre bereit war, den Anforderungen der Luftstreitkräfte nachzukommen, die ihre Besatzungen mit einem robusten Armbandchronographen ausrüsten wollten, der über besondere Eigenschaften verfügte.
Als Prestige-Uhrenmarke war Breguet schon immer bestrebt, die großen Abenteuer der Menschheit zu begleiten, und stellte sich deshalb im 20. Jahrhundert in den Dienst der Luftfahrt, wie sie dies im 19. Jahrhundert für die Schifffahrt getan hatte. Viele Piloten erwarben Breguet-Uhren: 1910 der Flugpionier Alberto Santos-Dumont, 1918 in Frankreich stationierte amerikanische Piloten, die Société d’Aviation Louis Breguet, japanische Piloten, die in den 1920er Jahren Frankreich besuchten, und viele andere mehr...
Für einen Piloten und im weiteren Sinne für jeden Luftfahrer ist es lebensnotwendig, an Bord – also in einer Umgebung, die von intensiver Aktivität und Stress geprägt ist – über die genaue Zeit zu verfügen und die zeitlichen Orientierungspunkte im Griff zu haben. Um die Flugzeit zu messen, Zwischenzeiten zu stoppen, den Treibstoffverbrauch zu überwachen, sich zu orientieren, Manöver durchzuführen und anderes mehr braucht man Zeitmessinstrumente. Die Uhrenkonstrukteure entwickelten im Lauf der Jahre immer präzisere und in der Handhabung immer praktischere Chronographen, zunächst als eingebaute Bordchronographen, doch schon bald auch fürs Handgelenk.
Bei der Durchsicht der Archive fällt auf, dass ab den 1930er Jahren zahlreiche „Spezialprodukte“ hergestellt wurden, die den besonderen Anforderungen des Luftfahrtumfelds angepasst sind: etwa Flugplatzchronometer von 19 Linien (42,275 mm) Durchmesser in antimagnetischen Silbergehäusen, Schleppzeiger-Chronographen, kleine Bordchronometer von 24 Linien (54,12 mm) in wärmeisolierten Gehäusen mit Thermostat und Beleuchtung oder Stundenwinkeluhren (Siderometer)... All diese sehr technischen Instrumente wurden sowohl der Militärals auch der Zivilluftfahrt geliefert, so auch der noch jungen Air France.
Die Lieferung von Zeitmessinstrumenten für das Armaturenbrett im Flugzeugcockpit nahm Anfang der 1950er Jahre zu und gehörte 30 Jahre lang zu den anerkannten Spezialitäten von Breguet. Die am weitesten verbreiteten Modelle waren die Type 11, 11/1 und 12. Sie wurden in ein Dutzend Länder verkauft und tickten in zahlreichen Flugzeugen, insbesondere in der legendären Überschallmaschine Concorde.
Doch schon in den 1930er Jahren produzierte Breguet auch immer mehr Armbanduhren mit Chronographenfunktion. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestätigte sich der Trend. Seither sind Chronographen am Handgelenk immer beliebter geworden.
Up:
Um das berühmte Überschallflugzeug Concorde mit einem Bordchronographen auszustatten, wandte sich die Firma Aérospatiale an das Haus Breguet.
Neues Produkt und „Spezialfunktion“
Ende der 1940er Jahre brachte Breguet Zeitmesser heraus, die vom Willen zeugten, den neuen Anforderungen gerecht zu werden und den Bedürfnissen der sich damals rasant entwickelnden zivilen und militärischen Luftfahrt sogar zuvorzukommen. Schließlich begann überall das Zeitalter der Jetaviatik...
Die exakte Zeit ist an Bord so wichtig, dass man aus Sicherheitsgründen für Redundanz sorgen muss. Dafür wird der Chronograph am Armaturenbrett durch einen zweiten am Handgelenk des Piloten ergänzt. Sollte der eine ausfallen, übernimmt der andere. Das ist der Sinn und Zweck der Zeitmessinstrumente, deren Entwicklung nachstehend beschrieben wird.
Anfang 1949 erwarb das dem französischen Luftfahrtministerium unterstehende Centre d’Essais en Vol (CEV) seine ersten beiden Breguet-Armbanduhren. Die erste, ein Einzelstück mit der Nummer 460, wird am 14. Januar verkauft. Ihr Archiv-Beschrieb: Lemania-Uhrwerk von 14 Linien (32 mm), rundes Gehäuse mit wasserdichten Bandanstößen aus Edelstahl, Chronograph mit zwei Drückern, schwarzes Tachometerzifferblatt, Stundenindexe und Zeiger mit Leuchtstoff, fertiggestellt im November 1948. Die zweite stammt aus einer Fünferserie, trägt die Nummer 456 und wird am 8. März verkauft. Archiv-Beschrieb: Runde Armbanduhr aus Edelstahl von 13 Linien (29,30 mm), Chronograph mit Zähler und zwei Drückern, schwarzes Zifferblatt und Stundenindexe mit Leuchtstoff, fertiggestellt im November 1948. Weitere Chronographen dieser Art wurden wahrscheinlich von Testpiloten des CEV privat erworben, insbesondere die Nummern 457 und 458; sie kamen zur Reparatur für das Centre d’Essais en Vol de Brétigny-sur-Orge in die Manufaktur zurück und wurden sechs Jahre später sogar gegen Type-XX-Chronographen ausgetauscht.
Up:
Bordchronograph Breguet Nr. 4376, genannt „Siderometer“. Der Siderometer wurde ab 1935 in einer Auflage von 40 Stück gebaut und diente der französischen Luftwaffe und der Fluggesellschaft Air France als Ausrüstung.
Bei zusätzlichen Nachforschungen fielen zwei weitere kleine Serien von sechs Chronographen auf, weil hier eine neue Funktion wie folgt beschrieben wurde: Armbanduhr von 14 Linien (32 mm) Spezialchronograph - Drehlünette mit Index - zwei Drücker - Nullen und Neustart des Chronographen durch einmaliges Drücken - schwarzes Zifferblatt mit Geleise-Stundenkreis und Leuchtzeigern - rundes Gehäuse mit Bandanstößen aus Inoxstahl - Lederarmband, Schließe aus Stahl. Die im Juli 1949 verfügbaren sechs Chronographen der ersten Serie tragen die Nummern 409 bis 414 und wurden alle zwischen September 1949 und Mai 1950 verkauft.
Diejenigen der zweiten Serie mit den Nummern 832 bis 837 werden mit einigen zusätzlichen Details beschrieben: Armbanduhr von 14-Linien (32 mm) – Chronograph mit zwei Drückern und Sonderfunktion (Nullen und sofortiger Neustart mit dem zweiten Drücker). 30-Minuten Zähler, Sekundenzeiger, schwarzes Zifferblatt – Geleise-Stundenkreis und Leuchtzeiger – rundes Gehäuse mit Edelstahlhörnern, Drehlünette. Lederarmband mit Stahlschließe. Hergestellt zwischen Oktober 1950 und November 1951, wurden sie zwischen November 1950 und Juli 1952 verkauft.
Von offiziellen Luftfahrtbehörden ist jedoch noch nicht die Rede. Die ausführlich hervorgehobene und erläuterte Sonderfunktion wird weder als Retour en vol (= Flyback) bezeichnet, noch finden sich die Bezeichnungen Type XX oder Type 20. Im März 1950 wurde jedoch eine Serie von zwölf Chronographen aus Stahl mit den Nummern 983 bis 994 produziert, ausgestattet mit 30-Minuten- und 12-Stunden-Zählern sowie einem silbernen Zifferblatt und einem Lemania-Werk von 13 Linien, allerdings ohne die vorgängig erwähnte Sonderfunktion. Diese Uhren wurden zwischen Juli 1951 und Oktober 1952 verkauft.
Up:
. Plan des Bordchronographen Type 11, der am 2. August 1956 vom Service technique aéronautique homologiert wurde.
Das Produkt findet seinen Namen
Die Dinge beginnen sich zu klären, als dem Service Technique Aéronautique (STAé) am 23. Juli 1952 drei am 30. Juni fertiggestellte Zeitmesser mit den Nummern 1200, 1201 und 1202 geliefert wurden, und zwar mit der wegen der Geheimhaltung knappen Beschreibung Armbanduhr von 14 Linien mit Chronograph, Spezial-Prototyp. Breguet kannte die Pläne für die Ausrüstung der französischen Luftstreitkräfte mit Zeitmessern und hatte beschlossen, an dem anspruchsvollen Beschaffungsverfahren teilzunehmen.
Im Dezember 1952 brachte das Haus erneut eine Serie von 24 Zeitmessern aus Stahl mit einem Uhrwerk von 14 Linien, 30-Minuten-Zähler und einer Sonderfunktion heraus. Sie tragen die Nummern 1163–1168, 1171–1176, 1400–1402 und 1407–1412. Die meisten wurden zwischen Ende 1952 und Mai 1954 verkauft, vier davon an die Société d’aviation Louis Breguet. Die Nummer 1408 hat als Besonderheit ein Goldgehäuse und ein silbernes Zifferblatt mit Tachometerskala. Alle sollten Versuchen verschiedenster Art dienen. Erstmals tauchte die später so berühmte Bezeichnung Armbanduhr Type 20 mit den Nummern 1530, 1531 und 1532 im Frühjahr 1953 in den Registern von Breguet auf. Beschrieben sind Chronographen von 14 Linien mit zwei Drückern und spezieller Funktion für das Nullen und Starten durch einmaliges Drücken (Flyback), 30-Minuten-Zähler, Sekundenzeiger, schwarzem Zifferblatt, Stundenindexen und Zeigern mit Leuchtstoff, wasserdichten Gehäusen aus Edelstahl mit Drehlünette und Lederarmband. Die drei am 27. April 1953 fertiggestellten Uhren wurden im Juli, September und Oktober dieses Jahres verkauft.
Ende 1953 erschienen drei weitere Type 20 mit identischer Beschreibung: zunächst die Nummer 1203. Die am 12. Dezember fertiggestellte Uhr wurde am 15. Dezember verkauft, und zwar wieder an die bereits erwähnte Société d’aviation Louis Breguet, die sehr enge Beziehungen zur Uhrenmarke hatte. Louis Breguet schenkte diesen Zeitmesser übrigens der Testpilotin Jacqueline Auriol (1917–2000). Sie wurde in der Nachkriegszeit als Pionierin der Frauen im Cockpit weltberühmt und durchbrach als erste Europäerin die Schallmauer.
Einige Wochen später sind auch die Nummern 498 und 499 in den Verkaufsregistern des Hauses erwähnt, allerdings nur mit diesen kurzen Beschreibungen:
Nr. 498: Armband-Chronograph von 14 Linien – Type 20 – Stahlgehäuse mit Goldlünette;
Nr. 499: Armband-Chronograph von 14 Linien – Type XX – Stahlgehäuse mit Goldlünette.
Die beiden Uhren, deren Herstelldaten nicht bekannt sind, wurden am 25. Januar 1954 ebenfalls an die Société d’aviation Louis Breguet verkauft. Die Bezeichnungen Type XX und Type 20 geben keinen Aufschluss, was diese Stücke voneinander unterscheiden und somit die Verwendung einerseits römischer, andererseits arabischer Ziffern rechtfertigen könnte. Beiden Uhren gemeinsam ist jedoch etwas Ungewöhnliches: eine goldene Lünette kombiniert mit einem Stahlgehäuse, was danach in dieser Kollektion nie mehr vorkam.
Up:
Breguet-Chronograph Type XX Nr. 1780, hergestellt 1955, eines von nur drei Exemplaren aus Gold der ersten Generation.
Right:
Breguet-Chronograph Type XX Nr. 1780, hergestellt 1955, eines von nur drei Exemplaren aus Gold der ersten Generation.
Up:
Breguet-Chronograph Type XX Nr. 1780, hergestellt 1955, eines von nur drei Exemplaren aus Gold der ersten Generation.
Diese Zeitmesser waren die ersten einer Serie von 27 „ursprünglichen“ Type-XX-Chronographen, die von 498 bis 524 nummeriert sind. Davon wurden nur drei als „Type 20“ bezeichnet, darunter die an den Kaiser von Vietnam, Seine Majestät Bao Dai, verkaufte Nummer 519. Drei weitere Modelle, die Nummern 502, 512 und 515, gingen an das CEV in Brétigny im Austausch gegen die oben erwähnten Nummern 456, 457 und 458. Alle wurden zwischen Februar und August 1954 verkauft. Damit begann ein langes Abenteuer... Tatsächlich war schon im Juni/Juli 1954 eine neue Serie von 23 „Type 20“ erschienen, die alle sehr schnell Abnehmer fanden. Der Erfolg war gesichert.
Ende 1954 und Anfang 1955 folgten kleine Serien mit Armbanduhren von 14 Linien, jeweils zehn oder fünfzehn Stück, die einmal als Type XX, das andere Mal als Type 20 bezeichnet wurden. Nach den durch die Reparaturbücher des Hauses bestätigten Beschreibungen verfügten alle über einen 30-Minuten-Zähler.
Von Zeit zu Zeit werden im Archiv einige Chronographen mit Sonderfunktion aufgelistet, bei denen es sich jedoch nicht um Type-XX-Modelle handelt, da sie mit einem versilberten Zifferblatt, goldenen Zeigern und neben dem 30-Minuten- mit einem 12-Stunden-Zähler ausgestattet sind. Drei Beispiele für diese Versionen sind die im Dezember 1954 produzierten Nummern 1735 bis 1737. Im Februar und März 1955 erschienen allerdings mit den Nummern 1781 und 1780 zwei Zeitmesser mit Goldgehäuse, satiniertem Silberzifferblatt, goldenen Zeigern und Tachometerskala, von denen die erste mit Type 20 und die zweite mit Type XX bezeichnet ist. Damit beläuft sich die Zahl der Type-Chronographen mit Goldgehäuse auf drei; weitere wurden nicht gefertigt.
Type XX oder nicht Type XX, Type XX in römischen Ziffern oder Type 20 in arabischen Ziffern, das war ein ziemliches Durcheinander, aber zum Glück nicht mehr lange. Mitte 1955 scheint alles klar zu sein. Abgesehen von den bald an die Luftwaffe gelieferten Stücken, die alle „Type 20“ bleiben, mit separaten Nummern, die mit 7 oder 8 beginnen und in einem speziellen Buch aufgelistet sind, werden alle anderen Modelle unabhängig von ihren Entwicklungen und Varianten endgültig als „Type XX“ bezeichnet. Mit einer Ausnahme: Die im September 1957 produzierte kleine Serie von 8 Chronographen mit 15-Minuten- und 12-Stunden-Zählern erhielt immer noch die Bezeichnung „Type 20“...
In den Kulissen des französischen Luftfahrtministeriums
Auf militärischer Seite ging es mit der Beschaffung ab Anfang 1952 voran. Ein in den Archiven des Verteidigungsministeriums gefundenes und vom Service Technique Aéronautique (STAé) an den Direktor des Nationalen Observatoriums in Besançon gerichtetes Schreiben vom 29. April 1952 bestätigt nämlich, dass sich Breguet damals für die Frage der Bord- und Armbandchronographen interessierte. Einige Wochen später – am 23. Juli – lieferte die Uhrenmanufaktur denn auch die drei oben erwähnten Prototypen mit den Nummern 1200, 1201 und 1202 an den STAé.
Vorgängig ist aufgezeigt worden, dass die Bezeichnung Type 20 in den Büchern also für die im April 1953 fertiggestellten Zeitmesser verwendet wurde. Das bedeutet, dass der „Codename“ Type 20 in den Wochen oder Monaten zuvor von offizieller Seite gewählt worden sein dürfte. Tatsächlich erfolgte im Frühjahr 1953 der wichtigste Schritt auf dem Weg zur offiziellen Zulassung durch den STAé. Bei der Lektüre eines anderen Dokuments mit dem Titel Etat d’avancement des études, das als Secret Défense eingestuft wurde und vom 1. Juli 1953 datiert, erfährt man, dass der Armbandchronograph BREGUET Type 20 – ein Chronograph, der dem deutschen Hanhart-Chronographen entspricht – zu diesem Zeitpunkt bereits zugelassen war.
Das Pflichtenheft
Es wurde viel über ein Pflichtenheft für die Type 20 gesprochen, doch man hat vergeblich nach einem Äquivalent für dieses Modell zum bekannten Pflichtenheft des Chronographen Type 21 gesucht, einem offiziellen Dokument, das im April 1956 vom Service Technique Aéronautique in Form einer neunseitigen Broschüre mit dem Titel Programme technique des montres chronographes bracelets Type 21 destinées à l’emploi en vol veröffentlicht wurde. Darin sind die strengen technischen, ästhetischen und funktionellen Anforderungen an die Fliegerchronographen und die zahlreichen Tests erläutert, die sie bestehen mussten: Gehäuse mit ca. 37 mm Durchmesser, verschraubter Boden, staub- und feuchtigkeitsdicht; Stoßsicherung und Antihaftvorrichtung für die Spiralfeder; 35 Stunden Gangreserve; Drehlünette mit Leuchtmarkierung; große Leuchtziffern und Graduierung auf dem Umfang mit 300 Teilstrichen; kleine Sekunde bei 9 und 30-Minuten-Zähler bei 3 Uhr; tägliche Gangabweichung von höchstens 15 Sekunden; einwandfreie Funktion bei einer Beschleunigung von mindestens 5 g und in einem Magnetfeld von 12 Gauss; Tests in Überdruck- und Unterdruckatmosphäre usw.
In Kapitel 1 der Broschüre von 1956 steht jedoch: „Die Bedingungen in diesem Programm sind nicht zwingend, werden aber als Grundlage für die Ausarbeitung von Vorschriften für solche Instrumente dienen.“ In diesem Zusammenhang ist es schwierig zu wissen, welchen Tests die Instrumente unterzogen wurden und wie hoch die Anforderungen der Verwaltung waren... Dennoch stellt man fest, dass die Type 20, abgesehen von der für die Type 21 empfohlenen Stoßsicherung, gesamthaft dem in dieser Broschüre beschriebenen Zeitmesser zu entsprechen scheint.
Wie das vorgängig zitierte Dokument von 1953 nahelegt, hatte der STAé ein Instrument mit der Bezeichnung Type 20 definiert und sich dabei zumindest teilweise von einem Chronographen der deutschen Marke Hanhart inspirieren lassen, von dem die französische Armee im Krieg eine gewisse Menge erbeutet hatte. Ein Pflichtenheft in offizieller Form wurde jedoch nicht erstellt. Kenner der französischen Verwaltung würden sagen, dass das Dokument von April 1956 über die Type 21 – sofern 1952 oder 1953 bereits ein solches offizielles Dokument für die Type 20 verfasst worden wäre – notwendigerweise mit einer Präambel wie „Das vorliegende Dokument annulliert und ersetzt das vorherige über die Armbanduhren Type 20 vom ...“ begonnen hätte.
Um diese Frage abzuschließen, muss erwähnt werden, dass man zwar im Archiv von Breguet Spuren von sieben als Type 21 bezeichneten und im September 1956 fertiggestellten Chronographen findet. Davon wurden drei mit einem 30-Minuten-Zähler ausgestattete Versionen am 8. Oktober 1956 an den STAé geliefert. Dies änderte allerdings nichts an den laufenden Bestellungen und den späteren Entwicklungen der Manufaktur, die weiterhin nur Type 20 und XX herstellte... Mit anderen Worten: Breguet und einige andere Häuser fertigten Type-20-, andere Type-21-Chronographen. Hatte also ein und dasselbe Produkt zwei Namen, abgesehen von einigen kleinen Nuancen?
Up:
Breguet-Chronograph Nr. 7211 „Type 20 militaire“, geliefert am 16. November 1955 an das Ministère de l’Air, Vorder- und Rückseite mit offizieller Markierung.
Der Großauftrag von 1954
Nach der Zulassung von 1953 war also nur noch der administrative Teil der Auftragsvergabe zu erledigen, eine Angelegenheit von wenigen Monaten. 1954 erhielt Breguet unter der Nummer 5101/54 den Zuschlag für eine Lieferung, die in ihrer Größenordnung als „Jahrhundertauftrag“ erscheint. Denn für die Ausrüstung der Luftwaffe forderte das französische Verteidigungsministerium bei Breguet nicht weniger als 1100 Armbandchronographen an!
Nach dem Produktionsbeginn im November 1954 wurde am 17. Juni 1955 eine erste Tranche von 250 Chronographen geliefert, gefolgt von 240 Exemplaren am 16. November im selben Jahr sowie je 245 Stück am 1. Juni 1956 und am 31. Juli 1957. Innerhalb von zwei Jahren wurden also gesamthaft 980 Exemplare ausgeliefert. Die verbleibenden 120 Type 20 wurden 1958 und 1959 verkauft. Die Type-20-Versionen, die an das französische Luftfahrtministerium gingen, sind auf den ersten Blick erkennbar: 30-Minuten-Zähler mit kleinem Durchmesser, nicht mit Breguet signiertes Zifferblatt, Lünette ohne Graduierung, dafür reglementarische Markierungen auf der Rückseite, birnenförmige Krone. Diese ist nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern auch höchst benutzerfreundlich, da sie selbst mit Handschuhen leicht zu bedienen ist.
Up:
Die für die Luftwaffe bestimmten Stücke, die als Type 20 bezeichnet wurden, zeichneten sich vor allem durch ihre 5-Sekunden-Teilung aus.
Right:
Die für die Luftwaffe bestimmten Stücke, die als Type 20 bezeichnet wurden, zeichneten sich vor allem durch ihre 5-Sekunden-Teilung aus.
Up:
Die für die Luftwaffe bestimmten Stücke, die als Type 20 bezeichnet wurden, zeichneten sich vor allem durch ihre 5-Sekunden-Teilung aus.
EIN UHRWERK, DAS VALJOUX 22, und seine Abwandlungen
Als Motor für die Type XX wählte Breguet das Valjoux 22. Es ist ein Uhrwerk mit einem Durchmesser von 14 Linien, also 31,7 mm, das Breguet in einer sorgfältigen Ausführung bestellte, die in einigen Beschreibungen als AA bezeichnet wird und mit dem „Flyback“-Zusatzmodul ausgestattet war. Diese Funktion wurde damals in den Breguet-Archiven oft als Sonderfunktion bezeichnet, in den Dokumentationen der Firma Valjoux als „mécanisme nocturne“ (Nachtmechanismus) oder „remise à zéro directe“ (direktes Nullen durch einmaliges Betätigen des Drückers). Wichtig war, dass alle verstanden, worum es sich handelte.
Als Handaufzugwerk mit einer Gangautonomie von rund 35 Stunden und Säulenradsteuerung des Chronographen sollte das Valjoux 22 in zwei Varianten in die Geschichte von Breguet eingehen: als Kaliber 222 für Zeitmesser mit einem 15- oder 30-Minuten-Zähler und als Kaliber 225 für Zeitmesser mit einem zusätzlichen 12-Stunden-Totalisator. Sie arbeiten mit 18 000 Halbschwingungen pro Stunde und sind mit einer Unruh mit Gewichtsschraubenregulierung und Breguet-Spiralfeder ausgestattet. Obwohl eine Stoßsicherung vom Typ Incabloc fehlt, gelten sie als robust und zufriedenstellend. Das Duo 222/225 wurde in den Breguet Type XX bis 1963 verbaut.
Ende 1963 erschien dann mit der Uhr Nr. 2087 die erste „Type XX 13-lignes“ mit dem neuen, modernisierten Kaliber von Valjoux. Dieses Uhrwerk mit 13 Linien (ca. 29,50 mm) Durchmesser führte Breguet schließlich in zwei Varianten ein: das Kaliber Valjoux 230 für alle Type XX mit zwei Zählern und das Kaliber Valjoux 720 für die Type XX mit drei Zählern. Diese modernisierten Kaliber – im selben Geist konzipiert wie ihre Vorgänger – sind mit einer Incabloc-Stoßsicherung und einer Unruh mit einfachem Reif ausgestattet. Diese Änderung des Uhrwerks wirkte sich nicht auf das äußere Erscheinungsbild der Type XX aus. Die Gehäuse blieben unverändert, wobei man den geringeren Durchmesser des Uhrwerks durch einen Gehäusering ausglich.
Der Zähler bei 12 Uhr und die Bestellung des CEV
Während der Fertigung der Type-20-Chronographen für die französische Luftwaffe begann Breguet für seine zivile Kundschaft und für andere Organisationen eine ganze Reihe von Varianten zu entwickeln. Im Mai 1955 kam eine Version mit der Nummer 1888 und einem zusätzlichen kleinen 12-Stunden-Totalisator bei 6 Uhr auf den Markt. Im Juni folgte eine Serie von 25 Stück, die alle auch diesen 12-Stunden-Zähler haben. Die Type-XX-Familie wuchs, und die Fertigung ging bald in einem regelmäßigen Rhythmus weiter...
Die Type XX mit drei Zählern, französisch oft einfach „3-compteurs“ genannt, begeisterte vor allem einen bereits erwähnten Kunden, das CEV oder Centre d’Essais en Vol. Dieses Zentrum für Testflüge war von 1945 bis 2001 in der Gemeinde Brétigny-sur-Orge 25 km südlich von Paris in Betrieb. Zu seinen umfangreichen Aufgaben gehörte die Erprobung der Prototypen von Militärflugzeugen und ihrer Ausrüstung (Fallschirme, Schleudersitze, Funknavigationsgeräte, Bordradar, Bewaffnung usw.). In den 1950er Jahren beschäftigte das CEV rund fünfzig Piloten, davon etwa zwanzig brevetierte Testpiloten als Elite der französischen Aviation.
Vorgängig wurde bereits erwähnt, dass das CEV und einige seiner Testpiloten 1949 ihre ersten Breguet-Chronographen – ohne Flyback-Funktion – gekauft hatten, insgesamt vier Stück, und dass drei davon am 15. Februar 1954 von Breguet gegen drei Type XX ausgetauscht wurden. Hatte das CEV den Auftrag, offizielle Tests mit Breguet-Zeitmessern durchzuführen? Das ist möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich.
Jedenfalls war der Type XX ab Ende 1956 der operativ eingesetzte Chronograph dieses renommierten Testzentrums. Neben den bereits erwähnten Exemplaren kamen nicht weniger als 80 weitere Type XX „14-lignes“ hinzu: 17 wurden am 12. Dezember 1956 und 33 am 5. März 1957 ausgeliefert. Diese 50 Zeitmesser, die gemäß Beschrieb über 15-Minuten- und 12-Stunden-Zähler verfügten, wurden durch 30 weitere ergänzt, die am 2. Mai 1957 geliefert wurden, jedoch nur einen 15-Minuten-Zähler haben. Alle tragen auf der Rückseite die Inschrift „CEV“ mit einer Nummer zwischen 1 und 80. Die sogenannten „3-compteurs“ sind von 1 bis 50 nummeriert, die „2-compteurs“ von 51 bis 80. Die mit einem kastanien- oder schokoladebraunen Zifferblatt ausgestattete Uhr mit der Nummer 2499 und der Inschrift CEV 1 ging logischerweise an den Chef des CEV, den Generalingenieur Louis Bonte. Sie befindet sich heute im Musée Breguet.
Up:
Breguet-Chronograph Nr. 2499. Dieses Exemplar, auf der Rückseite mit CEV 1 gekennzeichnet, war die Uhr seines Direktors.
1958 zieht die französische Marine nach…
Ein weiterer Großauftrag einer anderen Truppe der französischen Militärluftfahrt, der Aéronautique Navale, die nicht zur Luftwaffe, sondern zur Marine gehörte, folgte 1958. Die Bestellung ist zwar kleiner als die der Luftwaffe, mit 500 Exemplaren jedoch keineswegs unbedeutend, und die Uhren weisen einige bemerkenswerte Unterschiede auf.
Im Auftragsbuch von Breguet sind sie nacheinander unter den Nummern 3927 bis 4427 aufgelistet. Neben dieser Nummer ist noch die Nummer innerhalb der 500er-Serie angegeben, wobei diese nicht fortlaufend, sondern zufällig ist, um vielleicht potenzielle Fälscher zu entmutigen...
Neben der Nummer 3927 findet sich eine ausführlichere Beschreibung als üblich: Armbandchronograph Type XX 14 Linien, wasserdichtes Stahlgehäuse, Drehlünette mit Leuchtstoffindexen, 15-Minuten-Zähler, schwarzes Zifferblatt mit lumineszierenden Stundenindexen und Zeigern sowie ebensolcher 5-Minuten-Einteilung und 5 Leuchtstrichen auf dem Zähler.
Die zwischen Oktober 1958 und Dezember 1959 montierten 500 Exemplare des Auftrags der französischen Marine für die Marinefliegerei wurden alle am 13. Januar 1960 ausgeliefert. Sie ähneln den Modellen für die Luftwaffe, sind aber keineswegs identisch und ebenfalls leicht zu erkennen: 15-Minuten-Zähler mit großem Durchmesser, mit Breguet signiertes Zifferblatt, Lünette ohne Graduierung, reglementarische Markierungen auf der Rückseite, birnenförmige Aufzugkrone.
Up:
Die Type XX der Aéronautique Navale haben ein signiertes Zifferblatt und einen 15-Minuten-Zähler mit vergrößertem Durchmesser.
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Die Type XX der Aéronautique Navale haben ein signiertes Zifferblatt und einen 15-Minuten-Zähler mit vergrößertem Durchmesser.
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Die Type XX der Aéronautique Navale haben ein signiertes Zifferblatt und einen 15-Minuten-Zähler mit vergrößertem Durchmesser.
Die vielfältigen Leben eines exemplarischen Zeitmessers
Für Breguet war es ein beachtlicher Erfolg, innerhalb weniger Jahre zur Maßstäbe setzenden Uhrenmarke und zum Lieferanten von drei so prestigeträchtigen französischen Kunden wie der Luftwaffe, dem Centre d’Essais en Vol und der Aéronautique Navale geworden zu sein. Die Marke ruhte sich jedoch nicht auf diesen Lorbeeren aus. Die 1700 Exemplare für diese Kunden entsprechen nämlich nur der Hälfte der bis 1970 produzierten Gesamtzahl von rund 4000 Exemplaren dieser Fliegeruhr. Die in all diesen Jahren erhältliche Type XX wurde zum „ikonischen“ Chronographen in allen Luftfahrtkreisen und sogar darüber hinaus, doch davon später.
Visuell hatte der Zeitmesser seine endgültige Form mit dem Modell für das französische Flugversuchszentrum gefunden: 15-Minuten- und 12-Stunden-Zähler oder nur 15-Minuten-Zähler (der 30-Minuten-Zähler wird nach 1958 mit sechs Ausnahmen nicht mehr angeboten) und eine Drehlünette mit Graduierung. Dies schloß jedoch Weiterentwicklungen nicht aus, sowohl beim Uhrwerk, seltenen Varianten des Zifferblatts oder der Zeiger, deren Form manchmal für kleine Serien geändert wurde.
Einige sehr seltene Versionen, höchstens einige Dutzend, wurden mit einem braunen Zifferblatt ausgestattet; bei anderen Stücken hat es sich mit der Zeit durch den Einfluss des Sonnen- oder Mondlichts leicht braun verfärbt...
Für Liebhaber höchster Präzision wurden einige Modelle mit dem wertvollen Gangschein oder Chronometerzertifikat des Observatoriums Besançon angeboten, das bestätigte, dass sie den Normen der genauesten Uhren der Welt entsprachen. Insgesamt sind 20 mit diesem Gangschein ausgezeichnete Type XX um fast 25 Prozent teurer verkauft und im November 1957 (3), Juli 1958 (10) und Oktober 1959 (7) ausgeliefert worden. Neun hatten einen 30-Minuten-Zähler, zwei einen 15-Minuten-Zähler und neun einen 15-Minuten- sowie einen 12-Stunden-Zähler.
Äußerst seltene Stücke, laut den Verkaufsbüchern nur zwei, waren mit einer Drehlünette mit Tachometerskala ausgestattet. Das Haus produzierte aber auch weitere derartige Versionen auf Bestellung. Außerdem wurde in außergewöhnlichen Fällen das Standardzifferblatt in den Breguet-Werkstätten durch eines mit Tachometerskala ersetzt.
Vom enormen Bekanntheitsgrad der Type XX profitiert das Haus Breguet mit seinen aktuellen Versionen in vollem Umfang. Unter der Kundschaft finden sich neben sehr vielen Piloten oder einfach Liebhabern von Chronographen und treuen Anhängern der Uhrenmarke auch Organisationen der Zivil- oder Militärluftfahrt, in Frankreich etwa die ENAC (Ecole nationale de l’aviation civile) oder die Gendarmerie nationale (wahrscheinlich für ihre Hubschrauberpiloten), aber auch Fluggesellschaften aus Übersee wie die Air Gabon oder die Véha Akat in Laos während der französischen Kolonialzeit...
Über die Luftfahrt hinaus ist die Type XX die Uhr von Ingenieuren und Autorennfahrern...
Über die Aviatik hinaus war Type XX auch für andere Branchen die Uhr der Wahl für die Ausrüstung ihrer Ingenieure und Techniker. In diese Kategorie fallen in Frankreich zum Beispiel die Käufe des CNET (Centre national d’études des télécommunications) mit 22 Exemplaren zwischen 1956 und 1968, der Gesellschaft für Atomenergie mit 6 Stück im Jahr 1959, aber auch des Unternehmens Electronique Marcel Dassault 1963, der Télévision française 1957 oder 1966 des Service d’Aéronomie, des ersten vom Weltraum aus tätigen französischen Forschungslabors.
Die Einsatzmöglichkeiten für die Type XX sind noch vielseitiger. Laut dem Archiv von Breguet erwarben auch die beiden weltbekannten Mineralölkonzerne Shell und Esso Type-XX-Chronographen: Shell, manchmal auch „Shell Berre“ genannt, 10 Exemplare zwischen 1954 und 1965; Esso, damals noch als „Esso Standard“ firmierend, 35 Stück zwischen 1955 und 1963.
Diese Unternehmen – Veranstalter oder Partner zahlreicher Autorennen – schenkten den Siegern der großen Wettbewerbe gerne solche Chronographen. 1959, beim 28. Rallye von Monte Carlo, das auf ID-Citroën stattfand, erhielten Pierre Alexandre und seine beiden Copiloten Paul Coltelloni und Claude Desrosiers je eine Type XX. Das Exemplar von Pierre Alexandre, die Type XX Nr. 3065, befindet sich heute in der Sammlung des Musée Breguet. Der Zeitmesser war am 21. November 1957 an Esso Standard verkauft worden. Ein weiterer Type XX, am 4. Februar 1959 von Esso Standard erworben, war ein Geschenk für den großen französischen Rallyefahrer Fernand Masoero. Der Type XX Nr. 4962, am 5. Mai 1960 ebenfalls an Esso Standard verkauft, war für Jack Brabham bestimmt, der sich wenige Monate zuvor den Weltmeistertitel in der Formel 1 gesichert hatte.
So lebt der Type XX weiter, eine Fliegeruhr, die weitherum Anhänger fand und ein faszinierendes Kapitel in der reichen Geschichte von Breguet geschrieben hat. Abgesehen von einer technischen Änderung im Jahr 1965, als das Valjoux-Uhrwerk von 14 Linien durch das modernisierte Valjoux-Kaliber mit 13 Linien ersetzt wurde, blieb das Aussehen der Type XX fünfzehn Jahre lang unverändert.
Erst 1970 wurde das Modell in ästhetischer Hinsicht deutlich weiterentwickelt. Die zweite Generation der Type XX kam 1971 auf den Markt...
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Breguet-Chronograph Type XX Nr. 3065, verkauft im November 1957 an Esso Standard
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Breguet-Chronograph Type XX Nr. 3065, verkauft im November 1957 an Esso Standard
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Breguet-Chronograph Type XX Nr. 3065, verkauft im November 1957 an Esso Standard